Nachdenkliches vor dem Fest der Feste

  • Wir gingen nachts gen Bethlehem

    und suchten übers Feld

    den schiefen Stall aus Stroh und Lehm,

    von Hunden fern umbellt.

    Und drängten auf die morsche Schwell

    und sahen an das Kind.

    Der Schnee trieb durch die Luke hell

    und draußen Eis und Wind.

    Ein Ochs nur blies die Krippe warm,

    der nah der Mutter stand.

    Wie war ihr Kleid, ihr Kopftuch arm,

    wie mager ihre Hand.

    Ein Esel hielt sein Maul ins Heu,

    fraß Dorn und Diestel sacht.

    Er rupfte weich die Krippenstreu,

    o bitterkalte Nacht.

    Wir hatten nichts als unsern Stock,

    kein Schaf, kein eigen Land,

    geflickt und fasrig war der Rock,

    nachts keine warme Wand.

    Wir standen scheu und stummen Munds:

    Die Hirten, Kind, sind hier.

    Und beteten und wünschten uns

    Gerät und Pflug und Stier.

    Und standen lang und schluckten Zorn,

    weil uns das Kind nicht sah.

    Griff nicht das Kind dem Ochs ans Horn

    und lag dem Esel nah?

    Es brannte ab der Span aus Kien.

    Das Kind schrie und schlief ein.

    Wir rührten uns, feldein zu ziehn.

    wie waren wir allein!

    Daß diese Welt nun besser wird, so sprach der

    Mann der Frau,

    für Zimmermann und Knecht und Hirt,

    das wisse er genau.

    Ungläubig hörten wir ́s – doch gern.

    Viel Jammer trug die Welt.

    Es schneite stark. Und ohne Stern

    ging es durch Busch und Feld.

    Gras, Vogel, Lamm und Netz und Hecht,

    Gott gab es uns zu Lehn.

    Die Erde aufgeteilt gerecht,

    wir hättens gern gesehn.


    Peter Huche

    Die Lage war noch nie so ernst wie immer:!:

    Jeder sieht die Grenzen seines Gesichtsfeldes als die Grenzen der Welt an.;)