Flensburg barrierefrei

  • Hallo liebes Forum,

    Ich bin seit kurzem Mitglied einer Gruppe, die sich Flensburg Barrierefrei nennt. Aufgabe ist, an einer Internetseite zu arbeiten, die zu den Sehenswürdigkeiten, Cafés, Restaurants, Behörden etc. Informationen zu Barrierefreiheit und Erreichbarkeit gibt. Das Ganze bezogen auf Flensburg. Meine Aufgabe ist nun Kriterien für eine Erhebung zusammenzutragen, die einer an Ataxie erkrankten Person wichtig sein könnten. Zum Beispiel würde mir die Frage einfallen, ob es an allen Treppen des jeweiligen Ortes beiderseits Handläufe gibt. Was wäre euch wichtig vor einem Besuch eines Ortes zu erfahren.

    Vielen Dank im Voraus

    LG Challenger

  • Ich denke, das ist schwierig zu generalisieren. Der eine fährt im Rollstuhl, der andere braucht ein erreichbares WC, mal sind es Treppen, mal Handläufe.

    Mir geht es im Vergleich sicher noch ordentlich, ich halte immer nach Sitzgelenheiten Ausschau, da mich langes Stehen anstrengt. Museen, Kaufhäuser, da mangelt es mir an Bänken. Lange Schlange stehen am Schalter ist mir ein Graus

  • Es gibt zu wenige Sitzgelegenheiten im öffentlichen Raum.

    Überall, wo man warten bzw. stehen muss, sollten Sitzgelegenheiten sein. An Schaltern in Banken, Post, etc., ebenso in Supermärkten an der Kasse sowie innerhalb des Supermarktes.

    Langes Stehen ist ein Problem, weil man Schmerzen in den Beinen bekommt oder das Gleichgewicht nicht mehr halten kann.


    Für Rollstuhlfahrer sollte es in den Supermärkten Einkaufswägen für Rollstuhlfahrer geben.

    Türen sollten sich bei Ärzten, an öffentlichen Gebäuden, Banken, etc. auch vom Rollstuhl aus öffnen lassen. Toiletten im öffentlichen Raum sollten so groß sein, dass sie zumindest mit dem Rolltstuhl befahrbar sind. Generell sollte es im öffentlichen Raum ausreichend Toiletten geben.

    Aufzüge sollten so groß sein, dass ein Rollstuhl gut rein past (bei älteren Aufzügen ist das oft ein Problem).

    Breite Gehwege sind für Behinderte, die mit dem Stock oder mit mit Rollator gehen oder mit Rollstuhl unterwegs sind, immer wünschenswert.

  • Ahoi Challenger,

    wie Speiche schrieb, ist es schwierig einen Zustand zu finden, der für alle gleichermaßen gut funktioniert um ggf. eine Art "Ampel" für Barrierefreiheit (auch Ataxie allg.) daraus abzuleiten.

    Ich möchte das mal an dem Beispiel Toilette skizzieren: Fußläufer mit Ataxie werden sich über relativ enge Kabinen und Räume freuen, da hier der Weg zur nächsten Wand nicht weit ist. Auch, bennötigt man weniger Kraft sich daran abzustützen, bzw. berührt sie auch "weniger" intensiv. Hybride Rollstuhlfahrer (wie ich) profitieren eigentlich von beidem. Bei einem barrierefreien Klo mit Griffen überall stört mich der viele Raum nicht, aber mit engen Toilettenräumen komme ich auch zurecht indem ich den Rolli davor stehen lasse und zu Fuß hinein gehe. Mit einem 3-achsigen Permobil braucht es die barrierefreie Toilette mit viel Platz.

    Dein Gedanke mit den Handläufen an den Treppen find ich gut. Da schließt sich die Breite der Treppe an (an einer 5m breiten Treppe nützen mir beide gleichzeitig nichts) und die Art der Treppe. Breite, gewundene Treppenhäuser fand ich immer richtig mies.

    Der Untergrund insb. draußen find ich wichtig. Hart und eben vs. weich und schief. Natürlich Stufen allgemein.

    Für Blinde und Erkrankte mit Gehörproblemen wären die "akustischen Eigenschaften" der Räume interessant. Sehr hellhörig, dumpf, ...

    Vielleicht kann man eine Anlaufstelle angeben, falls Fragen aufkommen o. vorhandene Hilfsmittel wie Rampen benötigt werden. Das spart einfach rumgesuche.

    Sitzgelegenheiten überall fühle ich nicht. Braucht Platz, jemand muss sich darum kümmern,... Menschen mit Rollatoren oder im Rollstuhl brauchen diese eigentlich nicht und Menschen für die das Stehen zum Problem wird, sollten sich um ein Hilfsmittel bemühen. Ich war selber in genau! dieser Situation. Einkaufswägen für welche Rolstuhlfahrer? Es ist mMn. unmöglich ein Modell passend für sämtliche Rollstuhlmodelle zu haben. Da müssten vor jedem Laden 5 verschiedene Modelle in jeweils 3 Größen vorhanden sein.
    Ein Einkaufskorb auf dem Schoß ist mMn. das universelllste. Wenn auch der "Warentransport" allgemein ein Thema für sich ist.

    Challenger falls es etwas zu lesen gibt, bzw. eine grobe Vorstellung wie dieser Ratgeber aussehen könnte, gib uns das hier gern mal weiter, dann fällt uns vielleicht konkretere was dazu ein.

    Umlaute sind ueberbewertet!

  • Was mich in Altstädten vor allem echt nervt, ist Kinsdkopf großes Kopfsteinpflaster.
    Denkmalschutz hin oder her, speziell für Rollifahrer eine einzige Katastrophe.

    per aspera ad astra

  • Was mich in Altstädten vor allem echt nervt, ist Kinsdkopf großes Kopfsteinpflaster.
    Denkmalschutz hin oder her, speziell für Rollifahrer eine einzige Katastrophe.

    Dafür würde ich ein Vorsatzrad vorschlagen. Klar, es gibt unnötige Ecken, aber z.B. einen asphaltierten Neumarkt in Dresden will ich nicht.

    Umlaute sind ueberbewertet!

  • Ein 2 Meter breiter Streifen mit Gehwegplatten würde reichen. Fußwege sind oft miserabel und Radwege sehen aus wie Billardplatten. Wenn möglich fahre ich immer auf Radwegen

    per aspera ad astra

  • Glück auf

    Betrifft nicht nur Flensburg (aber bestimmt auch)
    Behindertenparkplätze längs zur Fahrtrichtung, wenn sie als Parktaschen ausgeführt sind.

    Parktaschen haben eine seitliche Abgrenzung zur Fahrbahn welche meist eine 3-5cm hohe Bordsteinkante ist.
    Das Problem betrifft Selbstfahrer im Rollstuhl.
    Erstens müssen sie die Fahrertür komplett öffnen, welche dann in die Fahrbahn reicht und die anderen behindert. Bis jetzt hat sich aber noch nie jemand aufgeregt. Zweitens haben seitliche Rollstuhlladesysteme ein Höhenproblem damit, der Rolli fährt nicht mehr selber raus, sondern fällt nach unten und verhakt sich und beim Einladen muß man ihn hochheben um ihn einzuhängen (zumindest bei meinem System).
    Und der Hauptnachteil, durch die Bordsteinkante lässt sich der Rolli nicht vernünftig am Auto positionieren sondern steht immer weiter weg als sonst.
    Also parke ich dann immer ein Stück auf der Straße und behindere alle anderen mehr als mir lieb ist.
    Die Polizei hat mich auch schon darauf angesprochen, als ich ihnen das erklärt hab, sind sie irgendwie kleinlaut abgezogen.

    Ein dicker Pinselstrich wäre einfacher gewesen.

    per aspera ad astra

  • Ich will meine obigen Hinweise noch etwas präzisieren und schreibe dies in Scrhägschrift unten rein.

    Es gibt zu wenige Sitzgelegenheiten im öffentlichen Raum.

    Überall, wo man warten bzw. stehen muss, sollten Sitzgelegenheiten sein. An Schaltern in Banken, Post, etc., ebenso in Supermärkten an der Kasse sowie innerhalb des Supermarktes.

    Langes Stehen ist ein Problem, weil man Schmerzen in den Beinen bekommt oder das Gleichgewicht nicht mehr halten kann.

    In der Zeit, als ich noch zu Fuß und ohne Rollator oder Rollstuhl unterwegs war, vermisste ich überall Sitzgelegenheiten. Nach einer gewissen Zeit, die immer kürzer wurde, bekam ich die Schmerzen und Gleichgewichtsprobleme und musste mich dann setzen können. Was aber tun, wenn es weit u. breit keine Sitzgelegenheit gibt?

    Für Rollstuhlfahrer sollte es in den Supermärkten Einkaufswägen für Rollstuhlfahrer geben.

    Ich weiß von einem Mitarbeiter des hiesigen REWE-Marktes, dass die beiden dort vorhandenen Einkaufswägen für Rollstuhlfahrer von Kunden genutzt werden: Natürlich stehen die in der übrigen Zeit herum, weil es so viele Rollstuhlfahrer, die selbst einkaufen, nicht gibt. Ich habe einen E-Rollstuhl gekauft, bei dem ich glaubte, dass ein im Supermarkt vorhandener Rollstuhlwagen mit diesem E-Rollstuhl nutzbar ist. Es würde auch gehen, WENN nicht die Steuerung an der rechten Armlehne exakt auf der Höhe sitzen würde, auf der auch der Griff des Rollstuhlwagens sitzt. Dadurch wird verhindert, dass ich unter den Griff des Rollstuhlwagens fahren kann kann.

    Natürlich ist ein Rollstuhlwagen auch gewöhnungsbedürftig. Man muss immer wieder aus dem Rollstuhl aussteigen (wenn man noch ein paar Schritte laufen kann), um sich die Lebensmittel aus den Regalen nehmen zu können. Das ist lästig. Ich bin bisher nur in Begleitung Einkaufen gewesen, weil ich den Rollstuhl nicht allein in mein Auto verfrachten kann. Noch habe ich kein Ladesystem.

    Man kann, wenn man es schafft, sich auch einen Einkaufskorb auf den Schoss stellen oder aber, eine Tasche an die eine Armlehne hängen.

    Dennoch halte ich es für sinnvoll, wenn jeder Supermarkt ein paar Rollstuhlwägen für Rollstuhlfahrer hätte. Es gibt da sicher unterschiedliche Wägen, so dass die Rollstuhlfahrer probieren, welcher am besten passt. Und wenn die Einkaufswägen nicht genutzt werdern, ist es auch kein "Beinbruch". So ein Wagen kostet sooo viel nicht.

    Türen sollten sich bei Ärzten, an öffentlichen Gebäuden, Banken, etc. auch vom Rollstuhl aus öffnen lassen.

    HIer habe ich an den hiesigen Neubau eines Ärztehauses gedacht, an dem keine Schalter für das automatische Öffnen der Eingangstüren im Gebäudeinnern vorhanden sind. Die Praxis meines Hausarztes ist in diesem Gebäude.

    Es gibt Ärztehäuser, in denen solche Schalter sind und das ist für Rollstuhlfahrer optimal.

    Toiletten im öffentlichen Raum sollten so groß sein, dass sie zumindest mit dem Rolltstuhl befahrbar sind. Generell sollte es im öffentlichen Raum ausreichend Toiletten geben.

    Vor rd. 12 Jahren wollte ich auf der Fahrt mit der Bahn zu einer weit entfernten Klinik die Umstiegszeit für einen dringenden Toilettengang nutzen.

    Es war in einem großen Bahnhof. Ich war damals mit meinem Rucksacktrolley zu Fuß noch unterwegs. Das herausziehbare Gestänge des Rucksachtrolley diente mir auch als Stütze bei längerem Stehen. Ich hatte in dem //Trolley etlchhe Mappen und CDs und natürlich Verpflegung u. persönliche Dinge.

    Ich fand in dem Behnhofsgebäude keine Toilette, die so groß war, dass ich zusammen mit dem relativ kleinen Rucksacktrolley reingepasst hätte. Die Toiletten waren extrem eng.und kurz. Bahnfahrende mit Koffern hätten da erst Recht nicht reingepasst. Es war auch kein Personal da, das hätte auf das Gepäck der Toilettennutzer aufpassen können.

    Es gab zwar eine Behinderten-Toilette dort, aber die war verschlossen! Sie war nicht besetzt von einem anderen Fahrgast. Ich habe das geprüft.

    Ich musste dann im Anschlusszug während der Fahrt auf die Toilette gehen, was ich, weil ich unsicher stehe, gern verhindert hätte und was ich auch ungern tue, weil die Toiletten in den Zügen oft nicht sehr sauber sind. Zumindest damals nicht. Wie es heute ist, habe ich nicht getestet.

    Aufzüge sollten so groß sein, dass ein Rollstuhl gut rein passt (bei älteren Aufzügen ist das oft ein Problem).

    Auch das beruht auf einer negativen Erfahrung. Ich würde meine Empfehlung noch erweitern. Es sollte nicht nur der Rollstuhl mit Rollstuhlfahrer in einen Aufzug passen, sondern noch eine Begleitperson. Ich hatte meine im Rollstuhl sitzende Mutter zu ihrem Augenarzt begleitet. Das Problem, dass dann auftrat, war, dass der Rollstuhl mit meiner Mutter gerade so reinpasste, dass aber im Stockwerk darüber, sich die Türen des Aufzuges nicht mehr öffnen ließen ..

    Da meine Mutter damals schon ziemlich dement war, war das keine einfache Sache. Es musste erst jemand vom Aufzugsdienst kommen ...

    Ich selbst konnte nicht mit in den Aufzug ... war vielleicht sogar gut so, denn dann hätte ich, um Hilfe zu holen, brüllen müssen. Aber dennoch sollte jeder Aufzug so groß sein, dass immer noch eine Begleitperson rein passt.

    Edited 3 times, last by Mina (November 13, 2025 at 4:07 AM).

  • Auch ich bin öfter mit Rollator unterwegs und ermüde dabei schnell, die Konzentration lässt nach, das Stolpern kommt öfter. Streckenlängen-Angaben wären vielleicht sinnvoll. Fußwege sollten breit, eben und nicht abschüssig sein, damit das Hilfsmittel nicht kippt. Manchmal enden Fußwege abrupt, ohne abgesenkt zu sein, manchmal findet man auf der gegenüberliegenden Straßenseite keine Absenkung. (Und ist diese da, hat ein umsichtiger Mitbürger seine Mülltonne just dorthin platziert.) Behindertentoiletten sind meist abgeschlossen, aber als Schwerbehinderter kann man sich einen Schlüssel und die App für alle Behindertentoiletten in D, AU und der Schweiz kaufen. (siehe Club Behinderter und ihre Freunde in Darmstadt http://www.cbf-darmstadt.de) Ich hab den Schlüssel jetzt immer mit, aber noch nicht probiert. Der Tipp mit dem Geländer ist gut, aber ich z. B. käme dann ohne Rollator nicht weiter. Türen ohne Öffner sind auch für mich ein übles Hindernis. Auch mit Rollator bin ich dankbar für Sitzgelegenheiten. Versuche einmal, dich mit einem Eis in der Hand gleichzeitig festzuhalten und rückwärts auf den Rollator zu setzen! Und im Supermarkt ist die Sitzfläche von meinem Einkaufskorb besetzt. Mein Ergebnis: Nicht alles lässt sich technisch lösen. Da nicht jederzeit und überall zufällig hilfsbereite Menschen sein können, wären vielleicht ehrenamtliche Helfer ähnlich den Schülerlotsen wünschenswert.

  • Behindertentoiletten sind meist abgeschlossen, aber als Schwerbehinderter kann man sich einen Schlüssel und die App für alle Behindertentoiletten in D, AU und der Schweiz kaufen. (siehe Club Behinderter und ihre Freunde in Darmstadt http://www.cbf-darmstadt.de)

    Du schreibst, dass Behinderten-Toiletten meist abgeschlossen seien? Meinst Du damit solche auf Bahnhöfen? Ich habe seither keine Behinderten-Toilette am Bahnhof mehr gesucht. Ich fuhr seit mind. 2018 nicht mehr mit der Bahn.

    In Krankenhäusern sind nämlich Behinderten-Toiletten immer offen und ich dachte damals, dass das auch in Bahnhofsgebäuden so üblich ist.

    Von dem Schlüssel habe ich schon gelesen. Habe aber bisher noch keinen, weil ich mit Rollstuhl nicht mehr aus dem Haus komme wegen fehlender Ladevorrichtung für das Auto.

  • Die Toiletten sind zum Glück meist abgeschlossen, welche von dem Verein für Körperbehinderte betreut werden. Sonst wären diese, gerade im öffentlichen Raum, oft unbenutzbar. Den EU-Schlüssel dafür gibt es schon eine ganze Weile gegen eine kleine Summe zu erwerben. Ich habe einen und diesen auch schon sehr oft benutzt. Der Schlüssel an sich (u.a. wegen des Schutzes vor dem unerlaubten Verviefältigen) ist leider nur eingeschränkt barrierefrei, die britische Variante ist dahingehend besser.

    Lirumlarum, konzentrieren wir uns hier in diesem Thread mehr auf die Frage von Challenger.

    Den Gedanke von Husky fand ich gut mit den Streckenangaben. Meist kann man diese relativ genau mithilfe von Karten oder diversen Apps bestimmen. Allerdings wird da nicht zwischen barrierefrei und nicht barrierefrei unterschieden, was dazu führt, dass man oft einige Strecke an Umwegen in kauf nehmen muss um abgesenkte Bordsteine zu finden usw.

    Gibt es für Flensburg wie für Dresden auch einen Themenstadtplan? In unserem findet man viel Information über barrierefreie Haltestellen, WCs und co.

    Umlaute sind ueberbewertet!